Tarifa

Im südlichsten Zipfel des europäischen Festlandes liegt Tarifa. Von dort aus lassen sich bei klarer Sicht die Straßenlaternen in Marokko erahnen. Schwere und große Schiffe passieren die Meerenge und belegen den regen Handel auf dieser alten Wasserstraße.

An der Stadtspitze Tarifas treffen sich dann auch Mittelmeer und Atlantik. Mit nur 13 Kilometer Entfernung ist Afrika nirgends näher an Europa als hier. Viele meinen, Gibraltar sei der äußerste Zipfel Europas, aber dieser liegt 30 km nord-östlicher und ist – very britisch – und somit weiter weg.
Tarifa selbst ist eine alte andalusische Stadt, deren Wurzeln bis ins römische Reich zurück reichen. In Bolonia, 15 km weiter, zeugt die eindrucksvolle römische Anlage „Baelo Claudia“ von 2000 Jahre alter Besiedlung. Mitten in Tarifa deuten die alten maurischen Befestigungen auf die strategisch wichtige Bedeutung der Stadt. Am Stadttor selbst weißt eine große Tafel auf die Zurückschlagung der Mauren im Jahre 1292 hin.

Heute machen das friedliche Gemisch von trendigem Livestyle, Aussteigertum, Tourismus und der immer freundlichen Bevölkerung das Leben in Tarifa lebenswert. Eine Stunde im Cafe Central, einem der wichtigen Anlaufpunkte in der Altstadt, lässt erahnen wer hier so im laufe des Jahres aufeinander treffen kann;

dabei ist der gegenseitige Respekt und die große Toleranz auch denen gegenüber, die nicht zu den Glückbehaftetsten gehören, immer zu bemerken. Unter anderem trifft man hier noch die längst ausgestorben geglaubte Hippie-Kultur – oder das, was davon übrig geblieben ist. Rucksacktouristen/Innen jeglichen Alters durchstreifen Tarifa um zu bleiben oder in Richtung Marokko weiter zu ziehen, aber auch die aufgemotzten Autos mit der dumpfen Teckno Mucke aus Malaga prägen meist am Wochenende das mit kleinen Strassen und Gassen durchzogene Stadtbild. Manchmal – aus der Kirche kommend – ziehen große traditionelle Hochzeits-Gesellschaften, die das gesamte Straßenleben vereinnahmen, die Aufmerksamkeit auf sich.

Letztendlich sorgt dieses Aufeinandertreffen der unterschiedlichen Menschen in der 16.000 Einwohner zählenden Stadt für diese nette, ganz und gar nicht provinzialische Atmosphäre. Jeder fühlt sich hier vom ersten Augenblick an wohl und zu Hause und wer denkt, dass er hier in aller ruhe Spanisch lernt, wird wohlmöglich in dem Sprachwirrwarr nicht sonderlich weiter kommen.